
Die ostfriesischen Auktionatoren – die „Uitmiener“, wie sie im Plattdeutschen genannt werden – sind seit Jahrhunderten ein fester Bestandteil der regionalen Wirtschaft. Bereits vor der Reformation im Jahr 1517 und lange vor der Entdeckung Amerikas 1492 besorgten sie Rechts- und Geschäftsangelegenheiten für die eingesessene Bevölkerung im äußersten Nordwesten Deutschlands. Diese lange Kontinuität ist einzigartig: Der Beruf des ostfriesischen Auktionators hat alle politischen Umbrüche und gesellschaftlichen Veränderungen bis heute überstanden.
Bis etwa 1945 hatten vereidete Auktionatoren in Ostfriesland sogar das Recht, Beurkundungen vorzunehmen. Das zeigt: Sie waren nicht nur Vermittler, sondern vollwertiges Rückgrat des wirtschaftlichen und rechtlichen Lebens. Sie verwalteten bewegliche Güter und Liegenschaften, betreuten Nachlässe und führten sachverständige Gutachtertätigkeiten in vielen Bereichen durch. Die Bevölkerung vertraute ihnen, weil sie sich als fachlich versierte und verlässliche Partner bewährten.
Mit den Jahren veränderte sich der Beruf. Während Versteigerungen von Gütern seltener wurden, konzentrierte sich die Arbeit mehr und mehr auf den Immobilienbereich – Kauf, Verkauf, Vermietung und Hausverwaltung. Parallel dazu wuchs die Anforderung an kaufmännische und rechtliche Kompetenz. Heute gehören Sachverständigentätigkeiten und Gutachtertätigkeiten, oft als Mitglieder von Gutachterausschüssen, selbstverständlich zum Portfolio.
Interessanterweise: Bei Veranstaltungen im ostfriesischen Raum wird bis heute gerne die plattdeutsche Sprache gepflegt – eine Tradition, die die regionale Verwurzelung und Identität widerspiegelt.
Die Auktionatorenbüros und ihre Nachfolger sind durch ihre lange Geschichte eng mit den Menschen und Orten der Region verbunden. Diese Verbundenheit geht über reine Geschäftstätigkeit hinaus: Sie übernehmen gesellschaftliche Verantwortung in verschiedensten Bereichen.
Besonders wichtig ist ihnen dabei die Ausbildung und Begleitung junger Menschen ins Berufsleben. Um die hohe Qualität des Berufes zu sichern, legen die Mitglieder des Fachverbandes großen Wert auf gute Ausbildung des Nachwuchses. Heute werden Auszubildende zur Immobilienkauffrau oder zum Immobilienkaufmann ausgebildet – eine hochqualifizierte Ausbildung in vielen Bereichen der Immobilienwirtschaft.
Die Berufsschule BBS Aurich unterstützt diese Ausbildung mit qualifizierten Lehrkräften. Darüber hinaus eröffnen sich für Absolventen beste Chancen in verschiedensten Bereichen der Wirtschaft, und es gibt zahlreiche Möglichkeiten der Weiterqualifizierung bis zum Studium.
So spannt sich der Bogen von den „Uitmiener“ vor Hunderten von Jahren bis zu den modernen Immobilienprofis von heute: Ein Beruf, der sich wandelt, aber seine Grundwerte bewahrt – Fachkompetenz, Verlässlichkeit und Verantwortung gegenüber der Region.